Max Dauthendey - Korfiz Holm Artikel

lassen sich schwer widerlegen. Wer immerzu im Flachland bleibt, stürzt selbstverständlich nie von einem Gipfel ab, wird aber die Welt auch nie von oben sehen und es sich gefallen lassen müssen, daß man ihn einen Philister nennt. Max Dauthendey hat oft gesagt, ein Dichter habe den gefährlichsten Beruf, und heute reut es mich, daß ich mich hie und da darüber lustig machte. Denn, mag es auch ein wenig sonderbar geklungen haben, er hatte, was ihn selbst betraf, sehr wahr gesprochen: sein Leben ist, auch wenn er still daheim saß, immer bis zum äußersten gewagt gewesen, und er hat sich darüber nicht getäuscht, nein, seine Phantasie sah die Gefahren, die ihm drohten, eher zu groß als zu gering; so hat er, was man seinen Leichtsinn heißen könnte, im tiefsten niemals leicht genommen. Nur das Bewußtsein seiner echten Künstlerschaft und die gewisse Hoffnung, daß sein Volk sie bald erkennen und belohnen müsse, hat ihn zeitweise von der Lebensangst befreit. Wer eine, wie die Griechen sagten, Hybris darin sieht, daß er sich nicht brav bürgerlich nach der Decke streckte, mag sein sogenanntes Gerechtigkeitsgefühl damit beruhigen, daß er diese Schuld, wenn es für ihn als Künstler eine war, in seinen letzten Jahren mehr als abgebüßt hat. Ich wünsche diesem weisen und gestrengen Richter solche Leiden nicht. Die beste Rechtfertigung für einen Dichter aber ist, was er uns gab. Wäre Max Dauthendey als Mensch nicht der gewesen, der er war, dann hätte sein Werk nicht werden können, was es ist: Ein aus jungfräulicher Erde aufgeschossener Baum mit breiter, blütenschwerer Krone, in deren Schatten Geschlechter um Geschlechter gleich uns Labung suchen werden, solang es deutsche Menschen gibt. Ein Kapitel aus: Korfiz Holm : Farbiger Abglanz Erinnerungen an Ludwig Thoma, Max Dauthendey und Albert Langen 1940 Albert Langen / Georg Müller / München

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